Was beim Kauf hilft, und warum ein selbstgenähter BH meist die bessere Lösung ist
Viele Frauen haben unterschiedlich große Brüste. Das ist anatomisch völlig normal, und trotzdem schweigt die Modewelt darüber. Weder in BH-Größentabellen noch in Kaufberatungen findet sich ein Hinweis darauf, wie Frau mit unterschiedlich großen Brüsten einen wirklich gut sitzenden BH findet.
In diesem Beitrag beantworte ich Fragen, die mir von Kundinnen und Kursteilnehmerinnen häufig gestellt werden. Und ich zeige dir, warum die wirklich gute Lösung oft eine ganz andere ist, als du zunächst denkst.
Wie häufig sind asymmetrische Brüste?
Studien zufolge haben über 90 % aller Frauen Brüste, die nicht exakt gleich groß sind. Bei vielen Frauen ist der Unterschied minimal und im Alltag kaum spürbar. Bei anderen Frauen beträgt der Größenunterschied jedoch eine halbe bis hin zu einer ganzen Cup-Größe oder mehr! Und genau das wird beim Kauf eines Konfektions-BHs zum echten Problem.
Welchen BH kauft Frau also bei ungleichen Brustgrößen?
Die häufigsten Fehler, denen ich bei meinen Kundenterminen begegne: Die meisten Frauen kaufen den BH für die kleinere Brust. Das Ergebnis: Das Cup für die größere Brust ist zu klein, so dass das Gewebe der größeren Brust oben aus dem Cup heraustritt. Das ist nicht nur optisch unschön, sondern auf Dauer auch eine körperliche Belastung für das Brustgewebe.
Wird der BH hingegen für die größere Brust gekauft, passt zwar das Cup für die größere Brust, an der kleinren Brust schlägt das Cup jedoch oft Falten. Darüber hinaus ist das Unterbrustband oft zu weit, so dass das Rückenband hinten nach oben rutscht. Also ist auch das keine Lösung!
Die richtige Strategie beim BH-Kauf bei asymmetrischen Brüsten
Die Faustregel beim Kauf lautet: lieber für die größere Brust kaufen. Das Cup für die kleinere Brust lässt sich durch folgende Maßnahmen anpassen:
- BH-Schale / Polster einlegen: Viele BHs haben bereits herausnehmbare Einlagen. Ist das nicht der Fall, können separat erhältliche BH-Schalen oder weiche Polster in den Cup der kleineren Brust eingelegt werden. Das funktioniert gut, solange der Größenunterschied nicht mehr als eine Cup-Größe beträgt.
- Träger anpassen: Die Längenregulierung des Trägers kann helfen, den Sitz zu verbessern, allerdings nur begrenzt.
- BH-Modelle mit geformten Cups wählen: Vorgeformte oder gepolsterte Cups kaschieren einen Größenunterschied optisch besser als dünne Spitzen-BHs ohne Fütterung.
- Bei einem Unterschied von einer ganzen Cup-Größe oder mehr kann eine Prothesen-Einlage sinnvoll sein. Diese bietet einen sehr guten Halt und sieht in einem ungepolsterten BH sehr natürlich aus.
Diese Kauftipps helfen leider nur bis zu einem gewissen Grad. Denn: Sie gleichen den Unterschied optisch „irgendwie“ aus, lösen aber das eigentliche Problem meist nicht zufriedenstellend. Ein Konfektions-BH kann niemals perfekt, individuell auf zwei unterschiedlich große Brüste angepasst sein.
Hier beginnt der Bereich, in dem ein selbstgenähter BH oder ein maßgefertigter BH die einzige wirklich befriedigende Lösung ist.
Warum ein selbstgenähter BH die bessere Lösung ist
Ein selbstgenähter BH beginnt nicht mit einer Konfektionsgröße. Er beginnt mit deinen Maßen – auf beiden Seiten, getrennt voneinander. Das ist der entscheidende Unterschied.
Beim Dessous-Nähen wird für jede Brust separat gearbeitet: Die Cups werden individuell zugeschnitten und angepasst. Ist der Unterschied zwischen beiden Brüsten nicht zu groß, werden einfach zwei verschiedene Cup-Größen genäht – links und rechts. Das Unterbrustband wird nach dem tatsächlichen Unterbrustumfang konstruiert, nicht nach einer Durchschnittsgröße. Träger werden auf die jeweilige Schulterbreite und -länge abgestimmt.
Das Ergebnis: Ein BH, der auf beiden Seiten hält, was er verspricht – Sitz, Komfort und ein natürliches Erscheinungsbild.
Was beim Nähen konkret angepasst wird
Für fortgeschrittene Näherinnen, Schneiderateliers und Modedesign-Studierende ist das Nähen eines asymmetrisch angepassten BHs ein spannendes und lehrreiches Projekt:
1. Zwei verschiedene Cups zuschneiden
Das Schnittmuster wird für jede Brust separat erstellt oder angepasst. Beträgt der Unterschied z. B. eine halbe Cup-Größe, werden die Schnittteile für die kleinere Seite entsprechend verkleinert bzw. für die größere Brust vergrößert.
2. Bügel individuell auswählen
BH-Bügel gibt es in vielen Größen und Formen. Bei asymmetrischen Brüsten werden für jede Seite die passenden Bügel ausgewählt. Das ist einer der größten Vorteile gegenüber einem Konfektions-BH, bei dem immer beide Bügel identisch sind.
3. Träger anpassen
Nicht nur die Cup-Größe, auch die Trägerlänge kann auf beiden Seiten unterschiedlich sein, insbesondere wenn die Schultern auf beiden Seiten verschieden breit oder hoch sind. Bei einem selbstgenähten BH wird die Trägerlänge und Position berücksichtigt!
4. Bei großen Cup-Unterschieden: Prothesen-Einlage in Betracht ziehen
Bei einem Unterschied von einer ganzen Cup-Größe oder mehr gerät auch die Maßschneiderei an ihre Grenzen, was die optische Angleichung betrifft. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, eine spezielle Prothesen-Einlage für die kleinere Brust zu verwenden. Diese werden entweder in eine dafür konstruierte Tasche im Cup eingelegt oder mit kleinen Handstichen im Cup fixiert.
Für wen ist das Selbstnähen geeignet?
Das Nähen eines individuell angepassten BHs ist nicht für Einsteiger im Dessous-Nähen geeignet, da es hierfür schon einer gewissen Erfahrung im Dessous-Nähen bedarf.
Besonders geeignet ist dieses Thema für:
- Fortgeschrittene Näherinnen, die ihre Schnittmuster selbst anpassen möchten
- Schneiderateliers, die ihren Kundinnen individuelle Lösungen anbieten möchten
- Modedesign-Studierende, die Passform auf einem neuen Niveau verstehen wollen
- Junge Designerinnen und Designer, die ein eigenes Dessous-Label aufbauen möchten und von Anfang an auf individuelle Passform setzen wollen
In meinem 1:1-Coaching arbeiten wir genau an solchen individuellen Anpassungen, Schritt für Schritt, auf dein Niveau und deine Körpermaße abgestimmt. Wenn du lernen möchtest, einen BH so zu konstruieren und zu nähen, dass er wirklich perfekt sitzt, dann ist das 1:1-Coaching genau das Richtige für dich.
Abschließend betrachtet: Kaufen hilft, Nähen löst!
Bei leichter Asymmetrie kann der richtige BH-Kauf – kombiniert mit Polstern oder BH-Schalen – eine gute Übergangslösung sein. Der BH sollte immer für die größere Brust gekauft werden; die kleinere Seite lässt sich dann mit einer Einlage ausgleichen.
Doch je größer der Unterschied wird, desto mehr geraten Kauflösungen an ihre Grenzen. Ein selbstgenähter BH oder ein BH aus dem Maßatelier ist daher die einzige Lösung, die wirklich auf beide Brüste individuell eingeht. Denn ein Konfektions-BH wurde für einen Durchschnittskörper entworfen. Dein Körper ist aber kein Durchschnitt!
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