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Adventskalender-Türchen Nr. 2

2. Dezember 2019

 

Die Geschichte der Unterwäsche

Adventskalender-Türchen Nr. 2 | Geschichte der Unterwäsche
Adventskalender-Türchen Nr. 2 - Geschichte der Unterwäsche

Heute lade ich Sie zu einer kleinen Exkursion in verschiedene Epochen der Geschichte der Unterwäsche ein. Ich persönlich finde es immer wieder spannend, die Geschichte von Kleidung und deren Entwicklung zu verfolgen.

Seit Menschengedenken galt Kleidung zum Schutz vor Kälte, vor Sonneneinstrahlung und Verschmutzung. Aber auch zur Verschönerung – dazu, seine Figur ins rechte Licht zu rücken, seine „Schokoladenseiten“ zu unterstreichen. Oder einfach auch dazu, einem aktuellen Modetrend zu folgen, sofern man das mag.

Wir beginnen ganz vorne, in der Steinzeit vor ca. 2,6 Millionen Jahren, und betrachten die bedeutendsten Vorreiter der heutigen Unterwäsche, Dessous, Lingerie. Sie werden staunen … Es gab sogar Schnürkorsetts aus Eisen! Aber diese wurden glücklicherweise nur aus medizinischen Gründen eingesetzt.

Von der Steinzeit bis zu den Römern

Aus der Epoche der Steinzeit weiß man, daß sich die Menschen mit Leder und Fellen bekleideten. Am bekanntesten aus dieser Zeit ist wohl der Lendenschurz. Er wurde meist als „Röckchen“ getragen. Ein Schurz aus Leder erlaubte es, das Leder zwischen den Beinen zu verkreuzen und vorne und hinten einzuschlagen. So formte der Schurz eine Art erste kurze Hose. Der Lendenschurz wurde überwiegend von den Männern getragen. Frauen trugen einfache Kleider aus Leder oder Fell. Darunter trug man nichts. In kälteren Gebieten und in der kälteren Jahreszeit warf man sich Felle über die Schultern. Waren sie lang genug, band man sie in der Taille zusammen, was dem Stil einer Weste nahe kam.

Erste aufwändige Muster und Verzierungen werten die Textilien auf

Erste gewebte Textilien sind aus Funden der keltischen Epoche bekannt. Erstmals wurde Lein angebaut, der es den Kelten ermöglichte, daraus einen textilen Faden zu gewinnen und diesen zu verarbeiten. Textile Funde dieser Zeit zeigen hochwertige Tücher, die mit aufwändigen Mustern gearbeitet wurden und die Stoffe so zu einer wertvollen Handelsware für die Kelten machten. Trotz der textilen Entwicklung ging man in dieser Epoche auch „unten ohne“. Lediglich eine Art Unterkleid sorgte für etwas mehr Wärme.

Aufwändige Verzierungen an Kleidung finden wir im alten Ägypten. Männer trugen einen Lendenschurz, der um die Hüfte gewickelt und mit einer dekorativen Schärpe gehalten wurde. Frauen trugen einen langen, schmalen Rock, der jedoch oft auf Höhe der Taille oder unter der Brust endete, und ebenfalls mit einer Schärpe gehalten wurde. Erst in späteren Zeiten der Geschichte Ägyptens begann man unter den langen Kleidungsstücken eine Art „Unterwäsche“ aus Baumwolle zu tragen. Sowohl Frauen als auch Männer trugen als „Unterhose“ ein Tuch, welches um das Gesäß gewickelt und zwischen den Beinen durchgezogen verschlungen wurde.

Die Frauen hielten ihre Brüste mit einer Brustbinde, dem sogenannten Strophium, in Form. Diese Art „erste Unterwäsche“ finden wir ebenfalls in der Zeit des alten Griechenland und Rom.

Haben Sie schon einmal von einer „Stehbrunzhose“ gehört?

Mit Zerfall des Römischen Reichs geriet auch die erste Unterwäsche wieder in Vergessenheit, denn im Frühmittelalter (ca. 500 bis 1050) trug man überhaupt keine Unterkleidung mehr. Erst später ging man dazu über, Leinenkleider unter der oft etwas derben und kratzigen Oberbekleidung zu tragen. Im Laufe der darauffolgenden Epochen wandelte sich der Trend zum ersten Schnürmieder und zu Unterröcken, die oft mehrlagig übereinander getragen wurden, zum Schutz vor Kälte.

Erst um etwas 1800 wurden die ersten sehr weit geschnittenen, meist knöchellangen Unterhosen für Frauen bekannt. Im Schritt offen, wurden sie unter dem Namen „Stehbrunzhosen“ bekannt. Man vermutet, daß sie gerade den Bäuerinnen auf dem Feld die Möglichkeit „für den schnellen Gang zur Toilette“ gaben.

Mit dem ansteigenden Verständnis für Hygiene und Moral fand die Unterhose vermehrt ihren Platz unter der Oberbekleidung. Natürlich abhängig vom ständigen Wandel des Modestils, war sie mal länger, mal kürzer, mal weiter, mal schmaler.

Das Korsett findet Einzug in der Modewelt

Neben der Einsicht, daß auch die Frau etwas darunter tragen sollte, hielt ein Modetrend Einzug, der über viele Epochen die Silhouette der Frau bestimmen sollte: Das Schnürkorsett.

Sein Vorgänger, das Mieder, wurde bereits im 12. und 13. Jahrhundert ursprünglich unter der Oberbekleidung getragen, um die Brust zu stützen und die Taille zu formen. Anfang des 16. Jahrhunderts setzt sich das Schönheitsideal betonter Brüste, Taillen und Hüften durch. So begann man, das Mieder über der Bekleidung zu tragen, um die weiblichen Kurven, die sonst unter den weiten Blusen und Leinenkleidern versteckt gewesen wären, zu betonen.

Die festen und oft aus edlen Stoffen gefertigten Schnürkorsetts wurden überwiegend von Frauen der höher gestellten Gesellschaft getragen. Je enger sie in der Taille geschnürt wurden, desto besser. Da bei dieser Prozedur jedoch die innliegenden Organe verschoben wurden und man kaum tief einatmen konnte, ist es nicht verwunderlich, daß so manch eine Dame dieser Zeit in Ohnmacht fiel. Dies war jedoch kein Hindernis für diesen Trend, der sich bis fast zu Beginn des 20. Jahrhunderts hielt. Je nach Mode-Epoche wurde das Korsett der Oberbekleidung angepaßt. Um 1700 etwa finden wir etwa den sogenannten „Cul de Paris“ (Pariser Hintern) in der Modewelt. Dabei wurde das Skelett so durch das Korsett gehalten, daß man gar nicht umhin kam, das Gesäß nach hinten zu strecken. Betont wurde der Cul de Paris oft noch durch eine Wattierung, die man unter der Oberbekleidung auf Höhe des Gesäß trug. Auch reich verzierte und mit vielen Stufen versehene Unterröcke gaben dem Gesäß zusätzliche Rundung.

 

Die Befreiung des weiblichen Körpers

Dankenswerterweise schafften Modedesigner wie Coco Chanel und Paul Poiret ca. 1906 das Korsett in ihren Modelinien ab und befreiten so den weiblichen Körper. Coco Chanel ging noch etwas weiter und revolutionierte die Modewelt mit leichter und fließender Oberbekleidung. Erschwinglich und doch robust genug sollten ihre Modelle sein, gerade für die Damen der Nachkriegszeit. Frauen sollten elegant aussehen und sich in ihrer Kleidung wohlfühlen und darin bewegen können. Eben ohne viel Chichi. Daher war es auch nicht verwunderlich, daß Coco Chanel zu einem heute noch beliebten Stoff – dem Jersey – griff.

Um 1900 begann der Siegeszug der ersten BH-Modelle in der Geschichte der Unterwäsche. Es gab Korsettmacher, die nur noch eine „Bruststütze“ herstellten. Und eine ganz findige New Yorker Prominente, Mary Phelps Jacob, schneiderte aus zwei Tüchern und ein paar Bändern ihren ersten BH, den sie sich patentieren ließ. Von da an begannen Textilhersteller, den BH immer weiter zu entwickeln. Schon bald wurden Baumwolle und Leinen unter anderem von Seide und Batist abgelöst. Und Ende der 30er Jahre hielten elastische Fasern Einzug in die Textilindustrie. Die Unterwäsche wurde dehnbar, bot jedoch immer noch den gewünschten Halt.

Glamour und Schick der Dessous beginnt in den 80er Jahren

Zwischen den ersten BHs und der heutigen Auswahl an Dessous liegen kleine „Revolten“ und Experimente. Während die Frauenbewegungen der 60er Jahre für ganz einfache Unterwäsche plädierten, um nicht zum „Sexobjekt männlicher Begierde“ zu werden, erhielt die Dessouswelt der 80er einen regelrechten Auftrieb an Glamour und Schick. Frauen wurden sich ihrer Figur wieder bewußter. Und das Darunter galt nicht mehr als zwanghaftes „…ich muß irgendetwas darunter tragen…“. Frauen begannen wieder, ihre Formen und ihre Weiblichkeit ins rechte Licht zu rücken. Die Hersteller von Unterwäsche werden kreativ, verarbeiten edle Stoffe und Spitzen miteinander, gestalten unterschiedliche BH- und Slip-Modelle und sorgen so dafür, daß sich Frau in ihrem Körper rundum wohlfühlt. Für Popikone Madonna wird das Darunter in den 80er und 90er Jahren fast zum Markenzeichen. Denn sie zeigt sich gerne im Mieder, im Unterrock oder mit unter einem Netzshirt hervorblitzenden BH auf der Bühne.

Keine Naht mehr sichtbar

Ein ganz anderer Trend schwappt Ende der 90er Jahre in die Modewelt: Unterwäsche, die sich nicht unter der Oberbekleidung abzeichnet. Slips sind fast nahtlos und ohne Veloursgummis gearbeitet. Und auch bei BHs setzt sich ein neuer Trend durch: Sie werden so gefertigt, daß Temperaturschwankungen nicht sichtbar sind, wenn sich beispielswiese die Hautoberfläche der Brust bei Kälte zusammenzieht. Das Schaumstoffcup hält Einzug in die Welt der BH-Modelle. Diese ermöglichen der Industrie, BH-Cups ebenfalls nahtlos zu produzieren.

Die Welt der Lingerie spaltet die Frauenwelt: Es gibt die Frauen, für die gut sitzende Kleidung bereits bei ihren Dessous beginnt. Hier darf das Dessousset gerne farbig und mit Spitze verarbeitet sein. Und es gibt jene, die sich in ganz unverspielten Dessous und natürlichen Farben am wohlsten fühlen. Beides ist richtig, so lange nichts zwickt und drückt. Denn die Zeiten der Korsetts sind vorbei ;o)

Über jede einzelne Epoche und diverse Stilrichtungen gäbe es noch einiges mehr zu berichten. Ebenso über die Entwicklung und Herstellung von Stoffen und Textilien – von der Antike bis heute. Die heutige kleine Exkursion in die Geschichte der Unterwäsche stellt einen groben Querschnitt dar.