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Blog | Schleifchen und Wäscheschmuck

Nur eine Zierde oder ein Schmuckstück mit Bedeutung?

Die eine lieben es, den anderen ist es ein lästiges Anhängsel. Schleifchen und Dessous-Schmuck zieren Dessous, hübschen sie auf, setzen das I-Tüpfelchen auf Ihre Wäsche.

Zugegebenermaßen paßt ein Schmuckstück oder ein Schleifchen nicht auf alle Modelle, würde es auf einem zweckmäßigen Sport-BH doch eher albern wirken. Aber auf Lingerie, die aus feinster Spitze oder edelsten Wäschestoffen gefertigt ist – sind wir mal ehrlich – sieht eine Schleife oder Wäscheschmuck am Mittelteil oder an den Trägeransätzen wirklich hübsch aus und wird zu einem echten Eyecatcher, neben dem ohnehin schon hochwertigen Wäschestück.

Was hat es nun auf sich mit dem Schleifchen? Ist es wirklich nur eine Zierde, oder hat es vielleicht eine historische Bedeutung?

Auf meiner Suche nach einer Antwort auf diese Frage habe ich teilweise kleine Umfragen gestartet und parallel dazu die Entwicklungsgeschichte der Unterwäsche in zahlreichen Büchern „studiert“.

Bei meiner Umfrage bekam ich als häufigste Antwort „Es sieht einfach hübscher aus. Ist nochmal ein Hingucker. Veredelt schöne Wäsche.“ Meine Recherchen im Internet und in Fachbüchern stießen überwiegend auf die reine Historie der Entwicklung der Unterwäsche, die zumindest einen Ansatz an Erklärung bieten kann, warum das Schleifchen seinen Platz auf BHs und Slips eingenommen hat.

Schleifen gab es schon immer, aber anders

Schauen wir uns die Entwicklung der Unterwäsche an, stellen wir fest, daß es irgendwie schon immer Schleifen und Schnüre zum Zusammenhalten von Wäschestücken gab. Mal hatten sie einfach funktionellen Charakter (der erste BH soll angeblich aus zusammengeknoteten Tüchern entstanden sein), oder sie dienten an Schnürleibchen dazu, das Décolleté mal mehr, mal weniger zu bedecken. In anderen Zeiten verhalfen eng geschnürte Bänder zu besonders schmalen Taillen und üppig hochgeschnürten Brüsten.

Wo wir in der Geschichte der Kleidung hinschauen, gebunden wurde immer, Schleifen gab es auch immer. Sei es als Dekoration opulenter Roben oder als Schnürhilfe von Unterkleidung.

Je moderner die Modewelt wurde, desto weniger „Dekoration“ fand man noch an der Kleidung. Und auch bei der Unterkleidung setzte sich die Funktionalität durch. So verschwanden Schleifen und Schnüre an Hemdchen und Leibchen, aber auch an Unterhosen, die früher noch gebunden wurden. Das elastische Wäschegummi gab es ja erst viel später. Um symbolisch an „alte Zeiten und Traditionen“ zu erinnern, werden heute noch Schleifchen an die Unterwäsche genäht.

Diese Erklärung für das Schleifchen wäre durchaus nachvollziehbar. Finden Sie nicht auch?

Das Schleifchen als Ersatz für das Duftsäckchen

Den bezauberndsten Hinweis auf das Schleifchen gab „The Lingerie Handbook“ von Rebecca Apsan und Sarah Stark, in welchem es in einem winzigen Absatz heißt, daß sich Frauen früher kleine Duftsäckchen ins Décolleté gesteckt haben. Parfum war rar, die Kleidung wurde eher selten gewaschen.

Diese Erklärung leuchtete mir ein. Nicht jeder hatte ein Bad zuhause, es gab auch noch keine Deos, wie heute, und Parfums waren eher teuer und für höhere Gesellschaftskreise bestimmt. Aber ein kleines Bouquet Lavendel oder Rosenblätter, das konnte sich jede Frau in der Natur zusammenstellen und in ein kleines Leinentuch oder -säckchen stecken.

Als Parfums immer erschwinglicher für alle gesellschaftlichen Schichten wurden, verschwand das Duftsäckchen nach und nach aus den Décolletés der Damen. Findige Dessous-Schneider haben das Schleifchen dann wahrscheinlich als Relikt längst vergangener Zeiten und als Symbol für das Duftsäckchen an die von ihnen gefertigten Dessous angenäht.

Ganz schmucklos geht es nicht

Wenn Sie sich hochwertige Lingerie anschauen, wird Ihnen auffallen, daß heutzutage nicht nur Schleifchen an BHs und Slips zu finden sind sondern auch Wäscheschmuck. Dies können kleine Blüten sein oder Symbole – die Auswahl ist vielfältig.

Einige Labels nutzen inzwischen ihr Logo oder eine Form, die man sofort mit ihrem Label in Verbindung bringt. Auch von mir gefertigte und besonders edle Wäschestücke werden mit meinem Label „T&S“ gekennzeichnet. Manchmal kommen sogar ein Schleifchen UND ein Label an ein Wäscheteil.

ABER: Es muß auch wirklich zum Dessous-Set passen. UND: Es darf die Trägerin der Wäsche nicht stören. Eine kunstvolle Blüte auf Hüfthöhe des Slips drückt garantiert unter Hosen. Hier verzichtet man dann besser auf die Blüte oder eine Schleife, die auftragen und drücken kann. Bei BHs ist es in der Regel einfacher, denn die Blüte oder Schleife sitzt meist am Mittelteil, also zwischen den Brüsten. Sie stört nur, wenn das BH-Mittelteil nicht optimal am Brustbein anliegt. Denn dann kippt das Mittelteil nach vorne und drückt die Schleife natürlich ebenfalls nach vorne, die sich wiederum unter Ihrer Oberbekleidung abzeichnet. Ich denke, das sind die wahren Gründe, warum vielen Frauen die Schleifen am BH oder Slip ein Greuel sind.

Fazit

Schenken Sie den Schleifchen oder Schmuckstücken an Ihrer Lingerie die wohlverdiente Beachtung. Bedenken Sie die Historie, wie Schleifchen und anderer dekorativer Schmuck im Laufe der Jahrhunderte seinen Siegeszug in die Welt der Dessous und Lingerie angetreten und seinen Platz erobert hat!