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Blog | Vom Modedesign zur Dessous-Designerin

Ich werde immer wieder gefragt, warum ich mich gerade für das Dessous-Design und die -Maßschneiderei entschieden habe. Kurz gesagt: Diese Entscheidung war mir selbst nicht von Anfang an klar.

Es brauchte eine Weile, bis sich der Weg zur Dessous-Maßschneiderei herauskristallisiert hat.

Neben meines Modedesign-Studiums hatte ich Gelegenheit, an einem Wiesbadener Modeatelier projektbezogene Nähkurse zu nehmen, die eine tolle Ergänzung zum Studium waren. Ich hatte bis dahin schon ziemlich alles an Damenoberbekleidung genäht, was man sich denken kann, aber dann kam DIESER Wintermantel. Den Mantel und das Futter zu nähen, das war das eine, das machte ich „mit Links“. Aber das Futter so in den Mantel zu nähen, daß dieser beim Tragen keine Falten und Beulen wirft, dazu durfte mir dann doch jemand Fachkundiges Unterstützung geben. Im Atelier von Ingeborg Thriene wurden mir all diese Fragen beantwortet und viele fachbezogene Tipps und Tricks gab es obendrein.

Nach Beendigung des Modedesign-Studiums hatte ich – für meine Begriffe – jedoch noch nicht genug über Bekleidung nähen, Schnittkonstruktion und Maßschneiderei gehört und gelernt. So fand ich vor ziemlich genau 21 Jahren das erste Mal den Weg zum Dessous und Bademoden nähen. Seinerzeit ging es allerdings „nur“ darum, einmal mit elastischen Stoffen zu nähen. Die Dehnung der einzelnen Stoffe wurde im Kurs nicht berücksichtigt. Die Wäsche paßte irgendwie okay, aber halt auch nicht mehr. Ebenso war es bei der Bademode. Um nicht aus der Übung zu kommen, habe ich dennoch – neben dem Oberbekleidung nähen – immer wieder versucht, einen gut sitzenden BH zu nähen. Ich kam irgendwie zu einem „okay“-Ergebnis, aber es war halt wieder nur „irgendwie okay“.

In zwei Jahren zur Dessous-Designerin

Dass mich das Thema gepackt hatte, habe ich damals recht schnell gemerkt. Ich war mir jedoch noch nicht klar darüber, wie ich eines Tages zu einem wirklich passablen Ergebnis kommen kann. Mit dieser Überlegung fiel mir der Flyer einer Bildungsstätte in die Hände, der sofort meine Aufmerksamkeit erregt hat. Es dauerte dann noch eine Weile, bis ich mich organisiert hatte. Dann begann ich die zweijährige, berufsbegleitende Ausbildung zur Dessous-Designerin und -Maßschneiderin.

Vorweg ging ein Powerweekend, um mich mit dem Thema „Dessous nach Maß nähen“ vertraut zu machen. Es war schon eine ganz andere Herangehensweise als bei meinem ersten Dessous-Nähkurs vor 21 Jahren. Plötzlich paßten der BH und der Slip wie angegossen – wenn man eben die richtige Herangehensweise beachtet! Nach dieser Erkenntnis belegte ich den angebotenen Schnittkonstruktionskurs und war fest entschlossen, die Ausbildung zur Dessous-Designerin zu machen.

Ich war fokussiert darauf, ein eigenes Label zu gründen!

Was anfangs nur eine Begeisterung über die Erkenntnis „handgefertige Dessous können ja doch passen“ war, wurde während der Ausbildung sehr viel mehr. Nachdem sich die erste Reizüberflutung über verschiedenste Bügelsortimente, unterschiedlich dehnbare Stoffe, Stoffdichten, Spitzen dehnbar und undehnbar, Wäschegummis in verschiedenen Breiten und Dehnungen etc. mental gesetzt hatte und recht schnell zum Selbstverständnis wurde, kamen unzählige Erkenntnisse hinzu, welche Gründe Frauen bewegen, sich maßgeschneiderte Dessous und Bademoden zu gönnen:

Da gab es die junge Frau, die aufgrund ihrer Cup-Übergröße und Körperform nicht auf handelsübliche Konfektionsgrößen zurückgreifen kann. Eine andere Frau fand aufgrund eines operativen Eingriffs keinen geeigneten und dazu noch schönen Prothesen-BH im Handel. Die nächste Dame ging regelmäßig Schwimmen, fand aber nie den geeigneten Badeanzug, der ihre Körperform so umhüllte, daß sie sich beim Schwimmen sicher fühlte.

Die Gründe sind vielfältig, warum Frauen sich für maßgeschneiderte Wäsche entscheiden.

Ich selbst hatte oft Probleme, passende BHs zu finden. Habe ich 10 BHs mit in die Kabine genommen, war ich froh, wenn wenigstens einer davon annähernd gepaßt hat. Jede Frau hat den Wunsch, endlich etwas wirklich Passendes tragen zu können ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Unterwäsche ist das Erste, das ich morgens anziehe. Sie ist mir am nächsten auf der Haut, und ich ziehe sie als Letztes am Tag aus. Darin will ich mich entsprechend wohlfühlen!

Die Gründe, warum sich Frauen maßgeschneiderte Dessous gönnen, sind vielfältig und zeigten mir in der Ausbildung schnell auf, daß ich als Dessous-Designerin und -Maßschneiderin eine Nische bedienen kann. So habe ich im letzten Semester der Ausbildung bereits mein Gewerbe angemeldet und eine Website erstellt, um auf meine Dienstleistung aufmerksam zu machen. Mein Angebot wurde schneller angenommen, als ich es mir erträumt hätte. Diese Tatsache und das Kundenfeedback motiviert mich, mit Tüll & Spitze weiterzumachen!